Sommerblitz aus dem Süden 1910-1912

Seekarten: Freie Zeichung des Autors.

Wachstum, Aufbruch, Wissenschaft und Internationalität 

Der Roman Sommerblitz aus dem Süden ist vorrangig in der Stadt Kiel in den Aufbruchsjahren 1910-1912 angesiedelt. 

Kiel war eine aufstrebende Hafenmetropole. Zunächst durch den strategisch entscheidenden Standort zwischen Nord- und Ostsee durch den 1895 eröffneten Kaiser-Wilhelm-Kanal. Hinzu kam die Bedeutung der Kieler Woche, seit 1882 das größte Regatteereignis für Segler in Deutschland als Treffpunkt für das internationale Bürgertum. Diese wurde besonders durch den aufwendigen Ausbau des Kieler Yachtclubs im Jahr 1905 gefördert. Der Kaiser selbst stand dem Yachtclub vor und die aufwendigen Ausbauten der gesamten Uferpromenade und der Clubgebäude wurde 1905 durch den Unternehmer Krupp finanziert.   
 
Die sich international vernetzende Christian-Albrecht-Universität wurde zu einem wichtigen Kulturzentrum, in dem wie in allen preußischen Universitäten ab 1908 auch Frauen zugelassen wurde. Es waren aber noch wenige, die diesen Gang damals wirklich angetreten sind. 
 
Andererseits hatte Kiel eine starke militärische Seite als Herz der schnell anwachsenden kaiserlichen Hochseeflotte. Damit stand die Stadt auch im Zentrum des Flottenwettrüstens mit Großbritannien. Durch den immer schnelleren Bau von Großkampfschiffen und die zweite industrielle Revolution wuchsen die Werften schnell an. Die schnell wachsende Marine brauchte einen ebenso schnell wachsenden Kader an geschulten Offizieren. Ein zentrales Ereignis war die Einweihung der neuen Marineschule in Mürwik im November 1911 durch Kaiser Wilhelm den II. Die Anzahl der auszubildenden Seekadetten wuchs sprunghaft von 45 auf 200 pro Jahr. 
 
Kiel wurde neben der Heimat für Seeoffiziere, Segler und Akademiker auch eine Arbeiterstadt. Mit dem Druck auf Sozialreformen und philosophisch-gesellschaftlichen Auseinandersetzungen an der Universität kam es zu gesellschaftlichen Spannungen durch eine starke Vertretung der SPD in einer traditionell konservativ geprägten Stadt. 
 
Der zweite wichtigste Handlungsort ist die historische Stadt Bologna, Heimat der ältesten Universität Europas und Ausgangsort für die Bestrebungen zur Einigung der Nation Italiens 1864 durch die Emilia-Romagna Bewegung. Die Familie von Lucia ist frei erfunden, aber die Charaktere sind stark von realen Entwicklungen dieser Zeit  geprägt.  
 
Besonders prägende Ereignisse der Weltgeschichte waren das Wettrüsten zwischen England und Deutschland, die zweite Marokkokrise 1911 und der italienisch-türkische Krieg 1911-12. 


Schiffe in Sommerblitz aus dem Süden 1910 - 1912

(Bleistiftzeichnungen des Autors Henning von Amrum) (c)

1. S.M.S. Hertha

Der große Kreuzer lief 1897 vom Stapel. Nach bewegter Geschichte wurde er ab 1909 als Ausbildungsschiff für die Kadetten der kaiserlichen Marine, so wie Hans und seine Kameraden eingesetzt. Diese lernten den harten Seedienst und das Abenteuer der Seefahrt auf monatelangen Auslandsfahrten kennen, die das betagte Schiff im Wechsel an Orte wie  Norwegen, Stockholm, New York, die Karibik und Alexandria führten und in Kiel endeten. Ab Ende 1912 wurde es zeitweise im Mittelmeer wieder im aktiven Dienst eingesetzt. 

2. Panzerkreuzer Amalfi

Das stolze Schiff der Regia Marina,  auf dem Carlo seinen Dienst verrichtet, war ein Panzerkreuzer der Pisa-Klasse. Sie war am italienisch-türkischen Krieg ab September 1911 im Rahmen der italienischen Flotte aktiv beteiligt. Die von Carlo befehligte mittlere Artillerie wurde zur Beschießung der Hafenstadt Derna eingesetzt um die Landung italienischer Truppen und die Einnahme der Stadt zu unterstützen. Im April 1912 kam es zu weiteren Kampfeinsätzen mit der italienischen Flotte gegen türkische Inseln und Marineeinheiten. 


3. S.M.S. Schleswig-Holstein

Das Linienschiff war die modernste der fünf Einheiten der Deutschland-Klasse und wurde im Juli 1908 in den Dienst gestellt. Es wurde trotz der mächtigen Artillerie durch die imensen Rüstungsprogrammen in Deutschland und England bald von stärkeren Großkampfschiffen überholt und diente schon in der Vorkriegszeit als zusätzliches Ausbildungsschiff um Hans und seinen Kameraden den finalen scharfen Schliff in einer sehr realitätsnahen Gefechts- und Navigationsausbildung zu geben. 

Die Kieler Woche 1910-1912

Die Kieler Woche ist seit 1882 das größte Regatteereignis für Segler in Deutschland. Unter dem Kaiser Wilhelm dem 2. wurde sie zu einemGroßereignis von internationaler Bedeutung und Treffpunkt für Segler, Monarchen und deren Familien, hohe Prominenz und Segelsportler aus aller Welt. Sie wurde besonders durch den aufwendigen Ausbau des Kieler Yachtclubs im Jahr 1905 gefördert. Der Kaiser selbst stand dem Yachtclub vor und die aufwendigen Ausbauten der gesamten Uferpromenade und der Clubgebäude wurde 1905 durch den Unternehmer Krupp finanziert.   

Der Höhepunkt der Wettbewerbe waren die Regattaläufe der Großjachten, an denen auch der Kaiser mit seiner schmucken Rennyacht Meteor und der Großunternehmer Krupp mit seiner schnellen Germania teilnimmt. Aber es gärt in Kreisen des Kaisers und der Hochfinanz. Zum Ärger der deutschen Führung wird dieses Ereignis seit Jahren von der amerikanischen Yacht Westward dominiert. Deren wagemutiger Skipper Charlie Bar aus Schottland verweigerte im sportlichen Wettkampf vor einem Jahr jede Rangordnung, jede Etikette, und scheute nicht einmal die Kollision mit dem deutschen Kaiser um sein Wegerecht durchzusetzen. 

Für die kaiserliche Marine ist die Kieler Woche, die genauso von Kaiser Wilhelm dem 2. gefördert wird, wie die deutsche Hochseeflotte, Prestige und Präsentationsveranstaltung zugleich. Schlachtschiffe paradieren auf der Kieler Förde und junge Fähnrich werden darauf gedrillt, ihr Können in den Marineinternen Läufen ihrer Segelkutter unter Beweis zu stellen.  
Aber die Regattaläufe sind weit mehr als eine freundlich-sportliche Auseinandersetzung. Die Segler stehen unter hohem Druck. Jeder Fehler steht am nächsten Tag in der Zeitung und die Segler wetteifern um Sieg oder Niederlage unter den wachsamen Augen der Weltöffentlichkeit, den höchsten europäischen Kreisen und der gesamten deutschen Marine. 

Die wichtigsten Yachten der Big Class ...

Meteor III

Die Meteor ist der Fahnenträger des Hausherren der Kieler Woche. Kaiser Wilhelm der II. war Vorsitzender des Kieler Yachtclubs und nahm selbst aktiv am Regattageschehen teil. Er liess sich regelmässig eine neue Meteor-Yacht bauen um bei den Regatten ganz vorne mit dabei zu sein. 

Germania

Die Germania wurde auch in mehreren Versionen gebaut und gehört der Familie Krupp. Die Germania wurde 1910 und 1911 von dem Aufsichtsratsmitglied Gustav G. F. M. Krupp von Bohlen und Halbach gesteuert. Sie war regelmässig die modernste und schnellste deutsche Yacht. 

Westward

Die Westward wurde für den America´s Cup konzipiert und war sehr schnell. Unter dem schottischen Skipper Charlie Barr dominierte sie auch die Big Class in der Kieler Woche. Obwohl er im Jahr 1911 auf tragische Weise verstarb blieb die Westward das Boot das es in Kiel zu schlagen galt.