Sommerblitz aus dem Süden

1910 - 1912





Seekarten: Freie Zeichung des Autors.

Idee

Ich habe das professionelle Schreiben beruflich gelernt und schon immer davon geträumt, einmal einen eigenen Roman zu veröffentlichen - mit einer ganz eigenen Geschichte aus einer Epoche, die mich seit meiner Jugend fasziniert, die meine Jugenderfahrungen, meine Leidenschaft für das Segeln und die vielen Kulturen, die ich erleben durfte, verbindet.  Dann habe ich diese Geschichte in meinem Kopf und auf Papier konzipiert - eine Familien- und Liebesgeschichte die vom ersten Weltkrieg überzogen wird, aus dem Blickwinkel von Marineangehörigen und deren Familien. Verbunden mit der Frage, ob diese Katastrophe vermeidbar war. Die Katastrophe, die dem Aufbruch durch aufblühenden Handel, internationalen Verpflechtungungen, den Fortschritten in der Wissenschaft, der Philosophie und der aufkommenden Rechte für Frauen und für Arbeiter ein jähes Ende gesetzt hat. 

Dann habe ich angefangen, das  Vorhaben, das ich so lange in meinem Herzen trug, in die Tat umzusetzen. Ich habe einfach angefangen zu schreiben. Et voilà! Hier ist die Geschichte, die aus meiner Feder floss. 

Inspiration

Ich bin nicht nur, wie so viele in meiner Generation, mit Karl May und Thomas Mann aufgewachsen, sondern auch mit Jules Verne, Theodor Storm und den Abenteuern von Graf Luckner, Horatio Hornblower, James Cook und Hark Olufs. Historische Romane, Kriminalromane und jedwedes Abenteuer auf See gehören seit je her in meinen Bücherschrank. Hier ist eine kleine Auswahl von Geschichten, die mich zu "Sommerblitz aus dem Süden" besonders inspiriert haben.

Da ich mehrmals von frühen Begleitern meines Projekts auf Ken Follets "Sturz der Titanen" angesprochen wurde, habe ich auch diesen aufmerksam gelesen, nachdem ich meinen ersten eigenen Draft vollendet hatte. Ob es vergleichbar ist mag ich nicht zu entscheiden. Ein wesentlicher Unterschied ist der Blickwinkel. Follets epischer Roman spielt strategisch im Zentrum der Mächtigen und veranschaulicht exzellent recherchierte politische Gesamtzusammenhänge der Entwicklung und des Verlaufs des ersten Weltkriegs.

Meine  fünfbändige Reihe "Sturm der Gezeiten – Liebe, Krieg und Familien zwischen den Meeren (1910–1920)" fokussiert sich dagegen auf die Beziehungen und die Entwicklung junger Menschen aus vier Nationen und lokale relevante Ereignisse in Kiel, Bologna, London, Hamburg, zunehmend Triest und Pola und später in New York und im Seekrieg, vorrangig im Mittelmeer - mit teilweise dramatischen Episoden, die heute weniger im Rampenlicht stehen - wie zum Beispiel der Angriff der Regia Marina Italiens auf das osmanische Libyen, die Balkankrise 1913, das knappe Entkommen des deutschen Mittelmeergeschwaders durch die Dardanellen und der U-Bootkrieg im Mittelmeer unter österreichischer Flagge.  

Seekarten

Da die Illustrationen in meinem Roman aufwendig in Handarbeit von meiner Schwester in Linolschnittdrucken gestaltet wurden, war ich bestrebt, auch für die beiden Seekarten im Innencover keine KI Bilder zu verwenden. Daher war der pragmatische Weg, diese Karten selbst zu gestalten. Daher habe ich mir ein paar Buntstifte und das richtige Papier besorgt und sie nach historischen Vorlagen aus alten Büchern selbst gezeichnet. Es war ein aufwendiges Unterfangen, aber ich glaube, der Aufwand hat sich gelohnt. 

Recherche

Das Grundwissen zu dieser Serie entstammt meiner langjährigen Passion für Marinegeschichte und meinem pan-europäischen Hintergrund. 
 
Ich habe reale Ereignisse und Entwicklungen zu dieser Geschichte verknüpft. Da ist zum einen, die Figur von Karl Kronowetter, der als junger Kapitänleutnant der k.u.k Kriegsmarine im  Jahr 1864 vier preussisch-österreichische Kanonenboote kommandierte, die die im dänischen Besitz befindlichen Inseln Föhr und Amrum je nach Ansicht befreit, oder besetzt haben, so dass sie dem Norddeutschen Bund, Preussen, und später dem Kaisereich zugeführt wurden. Seine Familie ist für diesen Roman frei erfunden und in den Handlungsort Kiel eingezogen, der aufstrebenden Marinestadt, die zu der Zeit eine rasante Entwicklung hingelegt hat. 

Zum Anderen gab es einen Umbruch in der Wissenschaft -  

Universitäten  haben sich zunehmend über Ländergrenzen hinweg vernetzt und Gastvorträge in anderen Ländern nahmen für Professoren auch durch moderne Reisemöglichkeiten mit der Eisenbahn und dem Dampfschiff zu. An preussischen Universitäten wurden 1908 auch erstmals Frauen zugelassen, in der ältesten Universität Europas, in Bologna war das schon lange gegeben. Bologna wurde auch durch seine Bedeutung in der Emilia-Romagna Bewegung zur Einigung Italiens 1866 zum zweiten Handlungsort der Geschichte - als Heimatstadt der Familie Palmeriggi, ursprünglich aus Apulien.

Zudem war diese Epoche stark vom internationalen Aufstieg europäischer Handelsimperien geprägt. Diese wurde aktiv von Visionären des Tee- und Kaffeehandels, wie Sir Lipton aus London und der Meinl-Familie aus Wien betrieben. Auch dieses Kapitel bestärkt die international vernetzte Gessellschaft in diesem Roman.

Der Vorspann und die Vorgeschichte der Seefahrertradition auf den nordfriesischen Inseln ergab sich aus spannenden Vorträgen des Historikers Kai Quedens in Norddorf auf Amrum.

Ich habe einzelne Kapitel immer wieder umstrukturiert und auf Plausibilität überprüft, beispielsweise die Sprachen, die untereinander gesprochen werden können. Deutsche Kinder haben traditionell in der Schule französisch zuerst gelernt. Italienische Gelehrte, besonders in Bereichen der Geisteswissenschaften waren in der deutschen Sprache oft gut bewandert. Aber Lucia spricht kein deutsch und Hans anfänglich kaum italienisch. Um die Problematik immer wieder aufzuzeigen, sind einzelne Redebeiträge der Protagonisten gelegentlich in Originalsprache eingefügt (nordfriesisch, englisch, italienisch, französisch, österreichischer Zungenschlag). 

Die Regattaszenen in Kiel wurden akribisch recherchiert, um ein möglichst reales Bild abzugeben. Die schnellste deutsche Yacht in der Big Class war zumeist nicht die imperiale Meteor I-V von Kaiser Wilhelm II. sondern die Germania I-VI des Stahlunternehmers Krupp. Dass Krupp seinem Kaiser im Jahr 1910 den Vortritt gelassen hat ist eine oft mit höflichen Worten umschriebene Legende. Andere waren da weniger vorsichtig. Die Kollision von 1911, zwischen der kaiserlichen Yacht Meteor IV und der amerikanischen Yacht Westward, die von Charlie Barr geführt wurde, ist geschichtlich dokumentiert. 
 

Natürlich gibt es heute viele Quellen im Internet, aus denen man den historischen Kontext speisen kann. Dennoch war der Abgleich mit unzähligen etablierten Offline Dokumentationen und Berichten für mich unverzichtbar. Während der Recherche stapelten sich auf meinem Schreibtisch alle möglichen historische Dokumentationen, die über Familie und Freunde verfügbar waren. So wurden Reihen wie "SOS-Schicksale deutscher Schiffe" aus den 50er Jahren oder die Time Life Serie "Die Seefahrer" der 80er Jahre und das Buch von Jürgen Hensen und Peter Wulf (1992) über das historische Kiel zu meinen ständigen Begleitern des ersten Romans. 

Unterstützung

Wenn jemand, der aktiv im Berufsleben steht, ein solch aufwendiges Unterfangen beginnt, dann ist in der Familie und bei guten Freunden Geduld gefragt. Denn meine Zeit wurde sehr knapp. Ich freue mich über eine sehr starke Unterstützung von alten und neuen Freunden, besonders denen aus meiner jetzigen Wahlheimat in Salzburg, die diese Reise intensiv begleitet haben und aus meiner Familie. Meine Schwester, selbst eine Künstlerin, hat diesen Roman mit einer besonders aufwendigen und bereichernden Gabe aufgewertet - nämlich die kraftvollen Illustrationen, die sie eigenhändig für dieses Buch als Linoldruck geschnitzt und dann digitalisiert hat. Am meisten Geduld hat meine bessere Hälfte Simona aufgebracht, die mir mit großer Offenheit die faszinierende Kultur ihres Landes und dessen Sprache nähergebracht hat – eine Grundlage, die für diesen Roman unverzichtbar war.